Baustellen im Winter richtig heizen
Die Energiepreise haben ungeahnte Höhen erreicht, da mag es manchem Bauunternehmer oder Bauherr vorkommen, als würde man Geldscheine verbrennen, wenn man eine Baustelle den Winter über beheizt. Doch beinahe egal, wie der Ölpreis steht, eine Baustelle, auf der die Zentralheizung noch nicht läuft, mobil zu beheizen, lohnt sich in den meisten Fällen, versichert Jochen Brockbals, Gesellschafter der Kebro Sanierungstechnik GmbH in Detmold. »Von Baubeheizung profitieren alle Beteiligten, Baufirmen wie Bauherrn.«

Was bringt Baubeheizung?
Ein mobiles Heizsystem für eine Baustelle besteht aus einem oder mehreren meist Öl betriebenen Brennern, die heiße Luft erzeugen. Die wird in großen Schläuchen in die einzelnen Teile des Baus geleitet. Und stellt so sicher, dass die Arbeiten auf der Baustelle nicht witterungsbedingt unterbrochen werden müssen. Estrichleger zum Beispiel benötigen auf der Baustelle Temperaturen von mindestens fünf Grad Celsius, um ihr Material verarbeiten zu können. So lange im Rohbau noch keine Zentralheizung läuft, ruht also normalerweise im Winter die Baustelle. Ein mobiles Heizsystem hingegen bringt die Baustelle auf 15 Grad Arbeitstemperatur, so dass kein Leerlauf für die Estrichleger entsteht. Ähnlich profitieren auch Fliesenleger, Maler und andere Handwerker, die ebenfalls bestimmte Temperaturen für die fachgerechte Verarbeitung ihrer Materialien benötigen, von beheizten Baustellen.
Zweitens spart Baubeheizung nach Fertigstellung des Neubaus Heizkosten. Denn die Bausubstanz ist deutlich trockener, so dass sie besser isoliert und weniger geheizt werden muss, um sie auf ein Gleichgewichtsniveau auszutrocknen. Während der Rohbauphase gelangen etwa über Estrich und Putz bis zu 200 Liter Wasser pro Kubikmeter Baustoff in das Gebäude. Auf 100 Quadratmeter Wohnfläche sind das etwas mehr als 1000 Liter Wasser, die nach und nach wieder trocknen müssen. Geschieht das nicht schon während der Bauphase durch ordentliche Beheizung der Baustelle und eventuell eine anschließende technische Trocknung des Gebäudes, kann man davon ausgehen, dass man in den ersten beiden Jahren nach Fertigstellung doppelt so hohe Heizkosten hat.
Noch höhere Kosten entstehen, wenn das Gebäude auch langfristig nicht richtig trocknet. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn ein moderne Niedrigtemperatur-Heizsystem installiert ist. Dann drohen auf der feuchten Bausubstanz Schimmelpilze zu wachsen, die die Gesundheit der Bewohner gefährden und aufwändig beseitigt werden müssen.
Kosten im Rahmen halten
Die Kosten für die Baubeheizung setzen sich in der Regel zusammen aus den Leihkosten für das Gerät, den Service-Kosten für Transport und Installation der Heizanlage sowie aus den Energiekosten. Um die Kosten im Rahmen zu halten, kann man einige Tipps beherzigen: zum Beispiel die Baustelle gut abdichten (Folien vor die Fensteröffnungen etc.), darauf achten, dass das Öl vortemperiert werden kann, damit es effizienter verbrennt und das Heizgerät im Gebäude statt davor platzieren, damit es nur die schon einigermaßen vortemperierte Luft statt der eiskalten erwärmen muss.
Generell gilt, dass es günstiger ist, mit Öl die Baustelle zu beheizen, als Strom betriebene Heizsysteme zu verwenden, erklärt Brockbals: »Elektrische Heizgeräte verwenden wir überhaupt nur bei kleinen Baustellen oder wenn ganz kurzfristig geheizt werden muss.« Dass Bauunternehmer mit der Elektroheizung fein raus ist, weil dann der Bauherr über seine Stromrechnung die Zeche für die Energie zahlt, ist hingegen ein Gerücht. Brockbals: »Das hängt - egal ob Öl oder Strom genutzt wird - ganz vom Vertrag ab. Darin kann man vereinbaren, dass der Bauherr oder der Generalunternehmer oder auch andere beteiligte Unternehmen die Energiekosten tragen oder untereinander aufteilen.«